Kann man lernen, innovativ zu sein?

Von Ute Ricciarelli

5. Oktober 2015

Große Ideen stehen hinter den großen Erfolgen der Geschäftswelt. Deshalb setzt Richard Evans, Direktor von Impact Hub, auf die Schaffung eines originellen Arbeitsplatzes, an dem neue Ideen die Norm sind.

Keine Führung, keine Kontrolle

2005 war die Vorstellung eines gemeinsamen Arbeitsbereiches für Menschen mit einer Idee und einem Laptop noch weit von der Norm entfernt. Insbesondere wenn dieser Arbeitsplatz an soziale Unternehmer gerichtet ist – ein Sektor, den die Unternehmenswelt laut Richard Evans immer noch als „Freaks und Sonderlinge“ ansieht.

Mit begrenztem Raum haben die Hubs intelligente Wege gefunden, mehrere Arbeitsplatzformen zu integrieren.

Glücklicherweise ist es bei Impact Hub Standard, das Ungewöhnliche zu versuchen. Ein Labor für neue Ideen sollte geschaffen werden.

Warum positives Scheitern der Schlüssel zum geschäftlichen Erfolg ist

HUB

Richard erinnert sich an die Einführung von Impact Hub King's Cross als ein risikoreiches Experiment. „Wir waren einer der ersten. Wir haben es auf eine Art gemacht, wie wir das jetzt nicht mehr befürworten würden, nach dem Motto: Wir bauen es, dann kommen die Leute schon“, erzählt er. Und anfangs kamen sie nicht – der Hub konnte sein Personal in diesen ersten schwierigen Monaten nicht bezahlen und Unternehmer, die ihre Vision teilten, waren dünn gesät.

Ihr Erfolg ist jedoch der Beweis für die Kraft großer Ideen. Selbst als ein finanzielles Desaster drohte, stand das Team hinter der großen Idee und setzte Guerilla Marketing-Techniken ein, um die wachsende Gemeinde sozialer Unternehmer in London anzusprechen. Ihre harte Arbeit leitete die Trendwende ein für den Hub – und das war wesentlich für die Entwicklung des Netzwerkgedanken.

 

„Wir haben viele Fehler gemacht, aber wir sind immer noch hier, also haben wir etwas richtig gemacht“, meint Richard. „Heutzutage beginnen die meisten Impact Hubs mit einem Prototyp-Raum – das ist kostengünstig und sie bauen so zunächst eine Community auf. Erst wenn sie eine Community haben, ziehen sie an einen permanenten Standort.“

„Wir sind Freaks und Sonderlinge“ Richard Evans Direktor, Impact Hub
Richard Evans - Director, Impact Hub

Die Hubs sind „in heimischem Besitz und werden lokal geführt. Es gibt keinerlei Kontrolle von oben – die Struktur liegt in unserer Kultur, unseren Werten und unserer Absicht.“ Dadurch können Hubs ganz innovativ auf die Bedürfnisse und Wünsche ihrer Mitglieder eingehen. Berliner, die 24 Stunden täglich arbeiten, entwickelten einen innovativen Ruhebereich zum Entspannen, während sich kollaborative Madrileños Tafelwände wünschten zum Austausch ihrer Ideen.

Oberflächlich betrachtet ähnelt dies dem verrückten Innendesign der Silicon Valley-Kultur. Aber während Schiebetüren zwischen Etagen oder Freizeiträume mit Kunstrasen den Büros an der Westküste einen Anschein von Kreativität verleihen, steht Funktionalität bei ihnen oftmals nicht an erster Stelle. Die Devise bei Impact Hub ist: wenn etwas nicht nützlich ist, gilt es als Verschwendung kostbaren Raums.

Form and function Form und Funktion verbinden sich in dem Design der Hubs.

Deshalb verfügt King's Cross über „Ohrensessel“, die Geräusche blockieren, damit man Telefongespräche führen kann. Sie sehen toll aus und machen den Bedarf ruhiger Kabinen überflüssig, die viel Raum verschwenden. Aus dem gleichen Grund setzt man in Madrid eine farbenfrohe Lösung zur Dämpfung der Geräuschkulisse im Büro: Stoffquadrate aus alter Kleidung der Nutzer, die von der Decke hängen. Das Übernehmen der Idee zeigt, dass jeder Hub an die individuellen Vorstellungen angepasst ist, und jede clevere Designfunktion macht den Raum nützlicher.

Impact Hub Madrid's improvised soundproofing Improvisiertes Soundproofing aus den alten Kleidungsstücken der Mitglieder bringt etwas Farbe in den Madrider Hub.
Where ideas have sex

Warum Ihre Mitbewerber in Wirklichkeit Ihre Kollegen sind

Richard glaubt, dass Unternehmen aus diesem Ansatz lernen könnten. Aber „sie tun sich schwer mit Innovationen.“ Eine veränderte Perspektive könnte der Schlüssel zur Verjüngung des traditionellen Büros sein: „Wenn sie darüber nachdenken, wie man ein Umfeld erschaffen kann, in dem Menschen frei sind, sie selbst zu sein, können sie ein wenig von dem haben, was wir haben ...“

Und das hat einen großen Vorteil, wenn man Menschen begeistern, Kreativität fördern und Produktivität steigern möchte: „Es macht das Arbeitsleben angenehm – an diesem Ort hält man sich gerne auf.“

Haben Sie auch tolle Büro-Tricks gesehen? Erzählen Sie uns in den Kommentaren unten, von welchen Sie besonders begeistert waren.

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