So stellt man fantastische Menschen ein

4. April 2017

5 Min. Lesezeit

Wir haben mit Russ Shaw, Gründer von Tech London Advocates, über die Zunahme der freiberuflichen, flexiblen Arbeit gesprochen. Und darüber, wie Unternehmen die besten Talente ansprechen.

So stellt man fantastische Menschen ein (Desktop)

 

Welche großen Trends in der Arbeitswelt sind Ihnen in den letzten Jahren aufgefallen?

Russ Shaw: Viel mehr Flexibilität – nicht nur wenn es darum geht, wie die Leute ihr Tagwerk vollbringen, sondern auch hinsichtlich ihrer Karrieren und wie sie zwischen Unternehmen wechseln. Die Zeiten, in denen man zu einem Unternehmen ging und dann fünf bis zehn Jahre dort blieb, sind vorbei. Das fällt mir vor allem auf, wenn ich jüngere Leute treffe, insbesondere im Technologiesektor. Es geht darum, ein Portfolio mit Skills und Erfahrungen aufzubauen.

Dadurch sind die Leute viel versierter und es bereitet sie auf die sich rapide verändernde Arbeitswelt vor, in der wir leben. Das kann ihnen sogar dabei helfen, sich selbst als Unternehmer selbstständig zu machen.

Mehr Menschen entscheiden sich für die Arbeit auf Vertragsbasis und für mobile, freiberufliche Positionen. Betrachten die Leute freiberufliches Arbeiten als positiver?

Russ Shaw: Absolut. Die Herausforderung wird sein, aus der freiberuflichen eine Vollzeittätigkeit zu machen. Mehr und mehr Menschen schätzen Freiheit und Flexibilität. Sie möchten nicht unbedingt langfristig angestellt sein. Und dieser Herausforderung müssen Unternehmen sich im Laufe der Zeit stellen. Natürlich bevorzugen manche Menschen die Bequemlichkeit und die Vorteile, die das mit sich bringt, etwa die Alters- oder die Gesundheitsvorsorge. Ich glaube aber, dass mehr und mehr Menschen sich lieber selbst darum kümmern würden, um langfristiger flexibel zu sein.

Was wäre ein unschlagbares Angebot, das die Arbeitgeber machen müssten, um die Leute zu binden?

Russ Shaw: Ich denke, sie werden ein besseres Gehalt anbieten müssen. Das gehört mit zum Wichtigsten, was ein größeres Unternehmen anbieten und nutzen kann, um Leute anzulocken.

Bedeutet das, kleine und mittlere Unternehmen würden gegenüber Konzernen verlieren, weil sie den Freiberuflern nicht dieselben Pakete und Vorteile anbieten können?

Russ Shaw:Ja, das Risiko besteht. Dem kann man jedoch entgegenhalten, dass die Menschen Begeisterung für ihre Arbeit zeigen können, vor allem bei einem Startup oder Privatunternehmen. So etwas wie „Ich werde Ihnen nicht meinen normalen Tarif berechnen, weil mir das hier gefällt.“ Um dies auszugleichen werden auch Anteilsoptionen in Betracht gezogen. Selbst im Technologiesektor sehe ich, dass größere Organisationen in kleinere Unternehmen gehen und dort versuchen, die Techniker und Entwickler mit besseren Angeboten und Gehältern zu ködern.

Wir wissen aus vielen Gesprächen, dass jüngere Menschen sich von Flexibilität und den modernen Veränderungen leiten lassen, aber gilt das auch für die Millennials? Was ist mit der älteren und der jüngeren Generation?

Ich glaube, dass Menschen allen Alters sich daran anpassen. Die jüngere Generation wächst damit auf, aber auch die Älteren, selbst jene über 60, die sagen „Ich muss noch zehn Jahre arbeiten“, wünschen sich andere Arbeitsweisen. Sie glauben, wenn sie schon länger arbeiten müssen, dann zu ihren Bedingungen.

Es wird immer eine Minderheit geben, die für ein großes Unternehmen arbeiten möchte, um in Vollzeitstellen traditionell Karriere zu machen. Wenn man sich den Dienstleistungssektor anschaut, beispielsweise Anwaltskanzleien, die dafür bekannt sind, den Menschen viel abzuverlangen, dann bemüht man sich dort, Menschen aktiv mit Workshare-Plänen, Jobsharing, flexiblen Arbeitszeiten zu rekrutieren. Man sieht das immer häufiger.

Wenn das nun jedoch ein Trend in allen Branchen ist – was könnte es verhindern, zum Mainstream zu werden? Sind es die Arbeitnehmer oder die Arbeitgeber, die noch zögern?

Russ Shaw:Ich glaube, etwas von beidem. Mitarbeiter, die es darauf anlegen, werden darauf beharren. Und wenn ihre Arbeitgeber sich weigern, dann werden sie halt für jemand arbeiten, der es ihnen bieten kann. Und deshalb glaube ich, dass die Unternehmen, die das bieten können, gegenüber jenen, die es nicht können, im Vorteil sein werden.

Glauben Sie, dass wir in naher Zukunft an einen Punkt gelangen werden, an dem jene Unternehmen, die nicht mithalten können, straucheln werden?

Russ Shaw: Davon sind wir noch weit entfernt – nicht in den nächsten drei bis fünf Jahren, aber langfristig? Ja. Ich glaube, dass viele dieser Unternehmen leiden werden. Für mich ist das größte Problem des Technologiesektors, dass Unternehmen Schwierigkeiten haben, starke, erstklassige Mitarbeiter zu rekrutieren. Sie müssen den Kandidaten sehr viel anbieten, um sie zu überzeugen. Wenn Sie einen interessanten Arbeitsplatz und eine gute Work-Life-Balance haben, werden die Leute sagen: „Ja, ich bin interessiert!“. Unternehmen, die das jedoch nicht bieten können, werden eine sehr begrenzte Belegschaft in puncto Ideen, kreatives Denken und Innovation haben. Die CEOs und die Personalleiter müssen über ihren Wettbewerbsvorteil nachdenken. Wenn sie keine großartigen Erfahrungen anbieten können, dann werden sie langfristig leiden.

Wo wir gerade von interessanten Arbeitsplätzen sprechen – welche Trends sehen wir aktuell und welche können wir in der Zukunft erwarten?

Russ Shaw: Ich glaube, wir werden mehr und mehr kollaborative Arbeitsplätze sehen, offene Grundrisse, Menschen, die kommen und gehen, wann es notwendig ist.

Größere Unternehmen stocken ihre Belegschaft nicht notwendigerweise auf. Der am schnellsten wachsende Sektor für die Schaffung von Arbeitsplätzen in Großbritannien ist die Scale-up-Economy. Das ist die nächste Welle nach den Startups. Es sind kleinere Unternehmen, die ihren Umsatz um circa 20 % steigern. Es sind nicht die großen Konzerne, weil deren Personalbestand flach ausgerichtet wurde, sondern die kleineren Unternehmen, die wachsen und schnell größer werden. Aber anstatt sich flächenmäßig zu vergrößern, nutzen sie für ihre zusätzlichen Mitarbeiter einfach kollaborative Coworking-Spaces wie We Work.

Unternehmen wachsen und schrumpfen und diese Flexibilität sorgt für viel Druck – diese Arbeitsplätze werden flexibel sein, etwas, das viele Unternehmen übernehmen sollten.

Was sagen Sie den Leuten, um sie zu überzeugen, dass kollaboratives Arbeiten und Flexibilität besser für sie sind?

Russ Shaw: Ich bin ein Nomade – ich wandere tagtäglich von Ort zu Ort. Ich treffe ständig andere Leute. Das ist nicht dasselbe wie diese Gruppe von 20–30 Leuten, die man täglich trifft – stattdessen sehe ich tagtäglich neue Gesichter, neue Ideen und neue Arbeitsweisen. Und das ist wirklich gut. Wenn ich Teil eines eng verknüpften Teams bin gehört das vielleicht zu den Nachteilen. Teams arbeiten gut zusammen, aber die physischen Arbeitsplätze können sich von Woche zu Woche oder von Monat zu Monat ändern. Ja, ich könnte die nächsten drei Jahre in dasselbe Büro gehen, aber ich glaube, es ist belebend, andere Menschen an anderen Orten zu treffen, um zu sehen, wie diese arbeiten. So entwickeln sich Ideen, so ist man der Masse stets einen Schritt voraus.

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