Ratschlag zum Filmemachen von der Regisseurin Kate Perotti

27. Mai 2015

4 Min. Lesezeit

  HP hat sich Kate Perotti, Gewinnerin des Emmy Award, Produzentin und Regisseurin, als Gesprächspartnerin für das Thema „Frauen im Film“ während des Filmfestivals in Cannes ausgewählt. Werfen Sie einen Blick auf ihre Karriere und erfahren Sie, was es braucht, um in der Filmbranche erfolgreich zu sein.

Ratschlag zum Filmemachen von der Regisseurin Kate Perotti (Desktop)

  1. Welche Barrieren gibt es für Frauen, die in die Filmbranche möchten?

    Kate Perotti (KP): Abgesehen von der aktuellen Anzahl an Frauen in leitenden Positionen, den Regisseurinnen und Kamerafrauen, ist es das Unterhaltungs-Business, das die Filmindustrie antreibt und wo die wirtschaftlichen Faktoren, auch die Marketingentscheidungen, weiterhin Männersache sind. Glücklicherweise nehmen die Filmhochschulen immer mehr Frauen auf, die gemeinsam mit ihren männlichen Kollegen ausgebildet werden. Und ich kenne nicht viele Frauen in diesem Geschäft, die sich einer Herausforderung nicht stellen würden!

  2. Wer hat Ihre Karriere im Film unterstützt und sich für Sie eingesetzt?

    KP: Anne Carey, eine der besten unabhängigen Produzentinnen in den USA, eine wirkliche Veteranin, war und ist auch weiterhin meine Mentorin. Sie war Partnerin von Ted Hope und Diana Victor, den Mitbegründern von This Is That Productions, einem Powerhouse, das für mehr als fünfzig Filme verantwortlich zeichnet und von denen sieben Oscar-Nominierungen erhalten haben. Anne ist aktuell Entwicklungsleiterin bei Archer Gray, einem in New York ansässigen Investment-Unternehmen für Medienproduktion, Finanzierung und Risikoinvestition. Sie bleibt auf nette, clevere und dynamische Weise ein Einfluss auf das, was ich tue und erreichen möchte.

  3. Was inspiriert Sie außerhalb der Branche?

    KP: Für mich persönlich wäre es einfacher zu sagen, was mich außerhalb der Branche nicht inspiriert. Das Beste am Filmemachen ist, dass die Inspiration praktisch überall ist. Ich liebe Menschen, Details, Geschichten, Anekdoten, und für mich ist die Welt ein wunderschöner und aufregender Ort. Vom Ambiente will ich gar nicht erst anfangen – Licht, Musik, Essen, Geschichte, Kunst, Literatur, Wasser, Architektur, Mode und Humor.

  4. Welchen Rat würden Sie einem Teenager geben, der in die Filmbranche einsteigen möchte?

    KP: Nimm ein „Nein“ oder eine Ablehnung nicht persönlich; bedenke, von wem die Reaktion kommt, die Situation und das Timing. Und verschwende weder Zeit noch Energie auf Leute, die es nicht wert sind. Ganz egal, was du tust, du wirst hart arbeiten müssen, und es ist besser hart für etwas zu arbeiten, das du liebst und mit Menschen, die du respektierst und bewunderst – und ganz besonders mit solchen, mit denen du wertvolle Zeit verbringen möchtest.

  5. Was waren Ihre Ziele, als Sie im Filmgeschäft begonnen haben? Und was hat sich verändert?

    KP: Als ich angefangen habe, wollte ich die Welt verändern. Jetzt möchte ich nur noch mit denen arbeiten, die gut sind und bereit, Einsatz zu zeigen. Ich wollte so viele Geschichten erzählen, und nun habe ich erkannt, wie zeitintensiv jedes Projekt ist, und deshalb setze ich jetzt Prioritäten. In technischer Hinsicht wollte ich den ersten digitalen Film machen, stattdessen habe ich den ersten digitalen Kurzfilm bei CalArts gemacht.

  6. Was ist der schwierigste Teil Ihres Jobs?

    KP: Das Finden von Geldgebern und Mitteln ist der härteste Teil für mich, insbesondere in Amerika, wo wir alle miteinander um dieselbe Börse zu konkurrieren scheinen. Ich packe gern zu und möchte Ergebnisse sehen. Einen Film zu machen dauert Jahre, und hunderte Menschen müssen zusammenarbeiten. Zurzeit ist mein Ansatz, mehrere Projekte gemeinsam mit anderen Menschen aus der Taufe zu heben.

  7. Was war der größte Erfolg Ihrer Karriere?

    KP: Ich würde sagen, das Highlight war der Gewinn des Emmy für Community of Caring. Und mein Feature MOMz Hot ROCKs als alleinerziehende Mutter. Es war ein langer Prozess, sechs Jahre, doch ich wusste immer, und habe mir manchmal täglich die Frage gestellt, ob ich mein Bestes gegeben habe, und ich wusste, dass es so war. Ich habe einige US-Awards gewonnen, aber ich muss sagen, als ich die kroatische Version während des ZagrebDox-Festivals gesehen habe, war das etwas, was ich mir niemals vorgestellt hätte.

  8. Glauben Sie, dass Technologie Ihnen als Filmemacherin geholfen hat, Ihre Ziele zu realisieren?

    KP: Ich habe die rasante Entwicklung von der analogen zur digitalen Technologie erlebt, und ich bin fortlaufend von den kühnen, neuen Möglichkeiten, eine Geschichte zu erzählen, fasziniert. Die Technologie hat so vieles einfacher, schneller und auch weniger teuer gemacht, dass heute das Eingehen von Risiken nicht mehr einem möglichen Bankrott gleichkommt, wie es früher der Fall war. Einfach gesagt, E-Mail, Text, Download, Upload und Duplizieren sind Geschenke des Himmels. Die Möglichkeit, eine HD-Kamera mit dem besten Sound alleine zu handhaben, hat ein Gefühl von Intimität mit den Personen ermöglicht, das früher einfach nicht möglich war.

  9. Welche Vorteile hat man als Frau in der Filmbranche?

    KP: Wir sind so wenige, und wir wissen alle, dass wir wirklich zu einer sehr interessanten Tradition mit einer einzigartigen Perspektive gehören. Eine andere Perspektive ist wunderbar, wenn die Macht des Geldbeutels sich entfaltet oder auch nicht. Die Chance, eine Geschichte mit einer Stimme zu erzählen, die sonst hätte schweigen müssen, ist ein wunderbares Geschenk.

    Vorteil ist ein Begriff, dessen Definition sich erweitern lässt, wenn wir an Regisseurinnen wie Alice Guy-Blaché und Leni Riefenstahl denken und Kathryn Bigelow, Penny Marshall, Penelope Spheeris, Sofia Coppola, Angelina Jolie, Lisa Cholodenko, Julie Dash und Agnes Varda feiern, um nur einige von so vielen zu nennen. Produzentinnen wie Kathleen Kennedy, Nina Jacobson, Christine Vachon, Anne Carey, und nicht zu vergessen Meg Ellison.

  10. Was können die Medien tun, um die Filmbranche in einem ausgewogeneren Licht darzustellen?

    KP: Macht genau das und seid ausgewogener. Stellt mehr Frauen in Führungspositionen mit Gleichbehandlung und gleicher Bezahlung ein. Zwei Prozent sind immer noch zwei Prozent – Jahr für Jahr. In letzter Zeit sieht man viele Powerfrauen in den Medien, weiter so, weiter so, und gebt uns allen Arbeit. Glaubt nicht, wir würden versagen.

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