Mit Big Data gegen Krebs

7. Januar 2016

2 Min. Lesezeit

Können Daten gegen tückische Tumore helfen? SAP will mit einem neuen System die Krebstherapie verbessern. Der Arzt soll mit einem Klick alle wichtigen Daten bekommen – selbst die DNA des Patienten.

Mit Big Data gegen Krebs (Desktop)

Düsseldorf/Frankfurt Nur wenige Krankheiten sind tückischer als Krebs. Welche Behandlung gegen die Zellwucherungen hilft, wissen selbst die Ärzte nicht genau, gleiches gilt für die Nebenwirkungen der Chemotherapie. Tumor ist nicht gleich Tumor, Mensch nicht gleich Mensch. SAP will den Kampf gegen den Krebs erleichtern: Der deutsche Softwareriese kündigte nun das System „Foundation for Health“ an, mit der Ärzte und Forscher einfacher und schneller Informationen sammeln und auswerten können.

Mit Hilfe des SAP-Systems soll künftig beispielsweise die Krankengeschichte eines Patienten einfacher über eine elektronische Patientenakte abgerufen werden. Ärzte können bei ihren Diagnosen schneller auf wissenschaftliche Studien zugreifen. Auch bei der Analyse der Genbausteine eines Tumors will der Softwarekonzern helfen, damit künftig schneller die für den Patienten geeignete Behandlung gefunden wird.

„Wir sind überzeugt, dass das Gesundheitswesen eine der wenigen Branchen ist, in der digitale Informationen bisher kaum genutzt werden“, sagte SAP-Technikchef Bernd Leukert. Viel Wissen sei einerseits in den Köpfen der Ärzte oder auf Papierakten verborgen, andererseits gebe es große Mengen an Studien in den Forschungszentren. Das Ziel: In den maximal 15 Minuten, in denen der Arzt mit dem Patienten eine Entscheidung über die Therapie trifft, soll er mit einer Suche alle wichtigen Daten finden können. Mit Big Data gegen den Krebs.

Zu den Umsatzerwartungen wollte sich Leukert nicht äußern: „Wir haben das Produkt erst gerade herausgebracht, es ist noch zu früh, um Zahlen zu nennen.“ Die Reaktionen der Partner seien aber sehr positiv – „einige werden das System in jedem Patientengespräch nutzen“, ist der Manager überzeugt.

Für die schnelle Datenauswertung setzt das Unternehmen die eigene Datenbank Hana ein. Diese – entwickelt unter der Leitung SAP-Mitgründer und Aufsichtsratschef Hasso Plattner – speichert sämtliche Daten im Arbeitsspeicher, was deutlich höhere Zugriffsgeschwindigkeiten ermöglichen soll. Experten sprechen von In-Memory-Technologie. Viele Anwenderunternehmen, die SAP-Software für die Steuerung der Prozesse nutzen, zögern aber bei der Umstellung. Die Medizin eröffnet ein neues Geschäftsfeld und illustriert gleichzeitig die Möglichkeiten der Echtzeitanalyse.

Ein weiteres neues System namens „Medical Research Insights“ soll die medizinische Forschung erleichtern, etwa um in den Profilen von Krebspatienten nach Gemeinsamkeiten zu suchen. Bei beiden Systemen sollen die Betroffenen selbst entscheiden können, ob sie ihre anonymisierten Daten freigeben wollen.

SAP ist nicht das erste IT-Unternehmen, dass sich Chancen in der Gesundheitsbranche ausrechnet. So hat IBM eine eigene Sparte dafür gegründet, ebenso die Google-Mutter Alphabet. Unter Forschern gilt Big Data als eine aussichtsreiche Technologie, um die Krebstherapie zu verbessern. SAP arbeitet unter anderem in einem Projekt mit dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) zusammen. Deren Spezialisten am „Nationalen Center für Tumorerkrankungen“ (NCT) in Heidelberg bieten ihren Patienten eine Erbgutanalyse ihrer Krebszellen an, um darauf aufbauend eine individuelle Therapie empfehlen zu können.

„Individuelle Unterschiede im molekularen Profil von Tumoren werden zukünftig immer häufiger als Basis für Therapieentscheidungen herangezogen“, erläutert Professor Christof von Kalle, Sprecher des Direktoriums des NCT. Die Methoden der Datenanalyse bieten seiner Ansicht nach faszinierende Möglichkeiten, den Medizinern alle fassbaren Informationen über die Krebserkrankung der Patienten zugänglich zu machen, damit die Ärzte am Krankenbett dann die klügeren Entscheidungen treffen können.

Drucken
HP Elite X2