Millennials: Unternehmen sollten auf junge, technikbegeisterte Mitarbeiter setzen

8. Januar 2016

6 Min. Lesezeit

Die erste Generation, die mit dem Smartphone aufgewachsen ist, tritt nun auf den Arbeitsmarkt. Von ihrem Technik-Enthusiasmus versprechen sich Unternehmen eine Menge technische Innovationen. Doch das geht nur auf, wenn die Rahmenbedingungen stimmen!

Millennials: Unternehmen sollten auf junge, technikbegeisterte Mitarbeiter setzen (Desktop)

Die Generation der Millennials ist zwischen zehn und 24 Jahren alt. Sie spricht die Technologiesprache wie ihre Eltern die Muttersprache. Im Schnitt versenden Millennials 88 Textnachrichten pro Tag und acht von zehn schlafen mit ihrem Smartphone unter dem Kissen. Diese Generation fasziniert und wirkt fast wie eine eigene Spezies – keine zuvor war so gut vernetzt und technisch versiert, auch wenn wir als ältere Generationen denken, dass der Gebrauch der Smartphones auf den ersten Blick kaum technische Expertise fördert.

Personalverantwortliche – besonders von Technologieunternehmen – sind heute mehr denn je in der Pflicht, die besten Fachkräfte zu gewinnen und sie an sich zu binden. Allein im IT Sektor in Europa gibt es über 100.000 offene Stellen.

Bei uns arbeiten zum ersten Mal in unserer Firmengeschichte fünf Generationen unter einem Dach – von der Nachkriegsgeneration bis hin zu Schülerpraktikanten. Sie alle verbindet viel. Gleichsam verfügt jede einzelne Generation über spezifische Fähigkeiten und Kompetenzen, die das Unternehmen braucht.

Vor allem die hohe Technikaffinität der jungen Generation – zwischen den frühen 80ern und frühen 2000ern geborene – birgt enormes Potenzial. Denn heutzutage ist es “normal” ständig online und damit mehr denn je auch gläsern als Mensch im Netz erfassbar zu sein. Das birgt Risiken (Stichwort: Datenschutz und – Sicherheit), aber daraus erwächst auch eine besondere Chance verbunden mit einer sehr hohen Verantwortung, zum Beispiel für die Führungskräfte eines Unternehmens.

Coach statt Befehlsgeber

Die Millennials wünschen sich als Chef noch viel mehr als jede andere Generation vor ihnen einen Coach. Dieser soll sie anleiten, sie in wichtige Entscheidungen einbinden und einen engen Austausch mit ihnen gewährleisten – und dies keinesfalls nur “online”. Daher müssen Führungskräfte für die speziellen Anforderungen der jungen Generation sensibilisiert und ausgebildet werden – nicht jeder Manager kann dies auf Anhieb erfüllen.

Auch hinsichtlich ihrer Aus- und Weiterbildung fordern Millennials neue Angebote. Sie wünschen sich mehr Flexibilität und wollen lernen, wann und wo es ihnen passt. Ihr natürlicher Umgang mit Smartphones und Tablets können Präsenztermine und Klassenzimmer fast überflüssig machen.

Wir setzen hierfür sogenannte MOOCs (Massive Open Online Courses) ein – Kurse, die man im Internet besucht, die kurz und knackig die Inhalte omnimedial präsentieren und auch Wissen abfragen können. Zudem tauschen sie sich mit Kollegen auf offenen Online-Plattformen über Fachthemen aus – wie sie es aus ihrem Privatleben z.B. über Facebook mit ihren Freunden gewohnt sind. Es muss technologisch “sexy” sein, eine App ohne viel “Schnick-Schnack” und insbesondere ganz einfach zu installieren.

Um die besonderen Fähigkeiten von Millennials gewinnbringend zu nutzen, braucht es daher besondere Rahmenbedingungen. Drei Schritte sind hier für uns von äußerster Bedeutung: Vorbereitung, Partnerschaft und Inspiration.

  1. Schritt: Millennials auf die digitale Transformation vorbereiten

    Die junge Generation ist technikbegeistert. Das heißt aber noch lange nicht, dass sie auch das nötige Know-how mitbringt, um Technik zu entwickeln. So gibt es Millionen junger Menschen, die genau wissen, wie man eine Marke in sozialen Netzwerken pusht, Technologieunternehmen brauchen aber hochspezialisierte Software-Ingenieure und -analysten die mittels Echtzeitsoftware schwierigste Aufgaben meistern können mit fast unendlichen Informationen, zum Beispiel bei der Krebsforschung oder in der Wartung von Flugzeugen aus der Entfernung.

    Die Aufgabe lautet also: Wie entwickeln wir Programmierer, Problemlöser, Leute, die Kollaboration beherrschen und global bzw. vernetzt denken? Dazu braucht es Ausbildungsangebote, die bereits in der Schule greifen – leider sind wir hier in Deutschland dabei weit zurück und halten kaum mehr den internationalen Anschluss mit unserem sehr schwerfälligen und föderalen Bildungswesen.

    Wichtige Praxiserfahrung

    Unternehmen müssen daher andere Wege gehen, um Unterstützung zu bieten. SAP macht das beispielsweise mit der Initiative B-Tech in den USA. Im September 2014 betraten 125 Neuntklässler die Klassenräume der SAP Business Technology Early College High School in New York. Jeder von ihnen bekam einen Technik-Mentor zur Seite gestellt.

    Neben Unterrichtsthemen wie Informatik, Ingenieurswissenschaften und Wirtschaftswissenschaften sammelten sie auch Praxiserfahrung im Rahmen von Unternehmenspraktika. Statt wie üblich innerhalb von vier Jahren ihren High-School- Abschluss zu machen, dauert die Ausbildung an der B-Tech sechs Jahre.

    Dafür verlassen die Schüler die High School mit einem zusätzlichen Diplom für Informatik- oder Internettechnologie. Für sie dreht sich der Arbeitsmarkt um – sie müssen sich nicht bewerben, sondern die Unternehmen klopfen bei ihnen an. Also ist wohl alleine die Kürze der Ausbildung grundsätzlich nicht das richtige Mittel.

  2. Schritt – Millennials zu Partnern machen

    Die junge Generation stellt besondere Anforderungen an ihre Arbeitgeber. Das untermauert auch die Studie Workforce 2020, für die wir zusammen mit Oxford Economics 2.700 Beschäftigte und 2.700 Führungskräfte aus 27 Ländern befragt haben. 91 Prozent der Millennials gehen beispielsweise davon aus, dass sie bereits nach einem Jahr die nächste Karrierestufe erklimmen und in weniger als drei Jahren den Job wechseln. Jeder Zweite will promovieren. Die Mehrheit der Millennials würde nie einen Job bei einer Firma annehmen, welche die sozialen Medien während der Arbeitszeit verbannt oder Server nach 18:00 Uhr abstellt.

    Auf Wünsche und Bedürfnisse eingehen

    Doch so viel Zeit sie auch in sozialen Netzwerken verbringen – in der wirklichen Welt haben sie am liebsten einen Mentor an ihrer Seite, der sie persönlich fördert. Sie erwarten im Vergleich zu älteren Beschäftigten um 50 Prozent mehr informelles Feedback auf das, was sie tun. Die Konsequenz daraus: Unternehmen müssen mit den Millennials eine enge und offene Partnerschaft eingehen, in der beide Seiten profitieren. Hilfreich ist aus Unternehmenssicht zum Beispiel auch ein umgekehrtes Mentoring – und zwar rauf bis in die Position eines CEO. So können ältere Mitarbeiter von den jüngeren lernen und andersherum. Ich selbst mache dies mehrfach im Jahr und bin bisher nie von meiner Lernkurve enttäuscht worden!

    Besonders erschreckend ist, dass bei derselben Umfrage jedoch nicht einmal ein Drittel der Führungskräfte weltweit angab, dass ihr Unternehmen den speziellen Wünschen und Bedürfnissen der Millennials überhaupt Aufmerksamkeit schenkt.

    It is particularly disturbing that in the same survey, however, less than a third of managers stated worldwide that their company ever pays attention to the specific needs and desires of the Millennials.

  3. Schritt – Millennials Sinn vermitteln und inspirieren

    Die Mehrheit der Millennials wünscht sich einen Arbeitgeber, der ihre Werte teilt. Neben dem guten Ruf und der Markenbekanntheit eines Unternehmens ist es ausschlaggebend, dass es sich engagiert und seinen Erfolg mit der Gesellschaft teilt und einen Beitrag zur Verbesserung des Lebens leistet. So verspricht das kalifornische Unternehmen Toms Shoes nicht ohne Grund, für jedes gekaufte Paar Schuhe ein weiteres Paar an einen Menschen in Not zu verschenken. Und die chinesische Handels- und Kommunikationsplattform Alibaba punktet damit, grundsätzlich Elfenbein und andere Produkte und Materialien von bedrohten Tieren von ihrer E-Commerce-Plattform verbannt zu haben.

    Wir setzen Technologie ein, um die Welt ein stückweit zu verbessern. Gerade mobile Endgeräte bieten sich zur Steuerung von Geschäftsprozessen an. Was die Kombination aus Smartphone und intelligenter Business Software bewirken kann, zeigt ein Hilfsprojekt aus Ghana.

    Hier sammeln Frauen Karité-Nüsse zur Gewinnung von Sheabutter, die in zahlreichen Kosmetikprodukten enthalten ist. Mit Hilfe einer App ermitteln Händler Gewicht und Lohn der Ernte und ordnen sie der jeweiligen Sammlerin zu. 3.000 Frauen haben sich seit 2011 in Ghana zusammengefunden und vertreiben gemeinsam per App ihre Nussernte.

    Fazit: Die Selbstverständlichkeit mit der Millennials über Apps und soziale Medien kommunizieren, macht sie für Technologieunternehmen besonders attraktiv. Sie erwarten von uns im Gegenzug, dass ihre besondere Art der Kommunikation nicht nur akzeptiert, sondern auch gelebt wird. Sie brauchen geschulte Führungskräfte, um ihr Innovationspotenzial voll zu entfalten und wollen bei uns nicht nur arbeiten, sondern sinnvolle Projekte vorantreiben.

    Der ehemalige US-Präsident Franklin D. Roosevelt sagte einst: „Wir können nicht immer die Zukunft für unsere Jugend gestalten, aber wir können immer unsere Jugend auf die Zukunft vorbereiten.“ Ihren Teil dazu beizutragen, das ist die Aufgabe von Technologieunternehmen heute – nicht mehr, aber auch nicht weniger.

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