Furcht vor autonomen Mitarbeitern?

2. März 2017

2 Min. Lesezeit

Mehr und mehr Hinweise deuten auf höhere Zufriedenheit und Produktivität bei autonomen Mitarbeitern. Was hindert Arbeitgeber daran, Kontrolle abzugeben?

Furcht vor autonomen Mitarbeitern? (Desktop)

Jeder Geschäfts- oder Teamgründer weiß, wie schwer es ist, Kontrolle über die von ihm geschulten Mitarbeiter abzugeben. Gewährt man Mitarbeitern keine Autonomie, so kann dies die Produktivität und Geschäftsentwicklung bremsen.

Um unmotiviertes Personal zu vermeiden, wollen wir prüfen, wie autonome Menschen zu zufriedenen Mitarbeitern werden und warum Arbeitgebern Kontrollverlust schwer fällt.

Falsch verstandene Autonomie

Autonomie bedeutet nicht, dass ein Mitarbeiter alles tun kann, was er möchte. Der Geschäftsalltag erfordert immer Grenzen der Kontrolle und der Entscheidungsfindung – Autonomie ist nicht absolut.

Es bedeutet nicht, dass eine Aufgabe erteilt wird und der Mitarbeiter ohne Führung oder den Zusammenhalt eines Teams damit allein gelassen wird.

Es geht um den autonomen Mitarbeiter, der klare Richtlinien für seine Aufgaben und Entscheidungen sowie Input von Vorgesetzten und seinen Kollegen erhält. Schließlich wurde der Mitarbeiter wegen seiner Fachkenntnisse eingestellt – weil er Experte ist oder im Anschluss an eine Schulung einer sein wird.

In der Realität müssen wir Menschen ihre Aufgaben zutrauen und ihnen vertrauensvoll Autonomie zubilligen, damit sie erfolgreich sein können.

Autonome Mitarbeiter sind zufrieden

Eine zunehmende Anzahl von Studien zeigt, dass Mitarbeiter, die ihre Aufgaben selbst in der Hand haben, wesentlich zufriedener sind. Überraschenderweise ist nicht die Schwierigkeit der Aufgabe entscheidend dafür, ob ein Mitarbeiter seine Aufgaben gern erledigt, sondern der Grad an individueller Freiheit.

Wie wichtig Autonomie für die Jobzufriedenheit ist, wird in der Studie „Nichtlineare Auswirkungen von Arbeitskomplexität und Autonomie auf Zufriedenheit, Ergebnisse und Wohlbefinden“ untersucht:

„Würden Mitarbeiter für jede Handlung und Entscheidung eine Genehmigung einholen müssen, wären sie ineffizient und würden zeitsensitive Möglichkeiten verpassen“, meint Greg A. Chung-Yan, Professor an der Universität Windsor (Ontario) und Leiter der Studie. „Sie werden durch den Zwang zu Genehmigungen gehemmt und das könnte Innovationen entgegenwirken.“

Die Studie mit zwei Kontrollgruppen ergab, dass vor die Wahl gestellt, entweder eine einflussreichere oder eine autonome Position zu übernehmen, 74 % zugunsten ihres autonomen Arbeitsplatzes auf eine Beförderung verzichten würden.

62 % würden in einer einflussreichen Position die „Degradierung“ in eine autonomere Position vorziehen. Die Bevorzugung von Autonomie vor Einfluss liegt beim Faktor 2,5.

Die Studie verweist auf weitere Forschungsprojekte, die untermauern, dass der Wunsch nach Freiheit stärker ist als der nach Einfluss.

Um Wachstum zu erzeugen, benötigen Arbeitgeber nicht allein die besten Mitarbeiter. Sie müssen außerdem die Geschäftsprozesse analysieren, um geeignete organisatorische Strukturen und Verfahren zum Ausschöpfen des vollen Mitarbeiterpotenzials zu entwickeln.

Autonomie erfordert das Vertrauen, dass der Mitarbeiter seine Aufgabe fachgerecht erfüllt und anfallende Entscheidungen in vollem Umfang selbständig treffen kann.

Jemand, der eine bestimmte Aufgabe täglich ausführt, kann wahrscheinlich weitaus sachkundigere Entscheidungen treffen als ein Vorgesetzter, dem der Vorgang nicht vertraut ist. Lassen Sie Ihre Mitarbeiter ihre Umgebung so gestalten, dass sie Bestleistung erbringen.

Geschäftsprozesse anpassen

Ein gewöhnliches Unternehmen kennt viele Entscheidungsebenen und muss selbst in kleinen Dingen endlose Hürden nehmen. Der Übergang zur Autonomie kann somit als aufgesetztes Konzept wahrgenommen werden, das mehr Mühen bei der Umsetzung macht, als Nutzen zu bringen.

Der Umbau eines aufgeblähten Systems in ein feingliedrigeres, in dem man mit wenigen Schritten vom Problem zur Lösung gelangt, mag schmerzhaft sein, ist jedoch letztendlich die beste Lösung.

Je autonomer desto besser

In der Realität gilt: Nicht jeder kann sich selbst motivieren. Am wichtigsten ist es, Mitarbeiter anzuwerben, die mehr Eigeninitiative an ihrem Arbeitsplatz suchen und Bestmögliches leisten. Das ist schon mal ein guter Weg, um Mitarbeiter zu finden, die neue Ideen ausprobieren, innovativ sind und für Umsatzwachstum Risiken einzugehen bereit sind.