Einsatzmöglichkeiten von Tablets im Klassenzimmer

10. Dezember 2015

8 Min. Lesezeit

Trotz des Rummels um iPads im Klassenzimmer sollte die Verteilung von Tablets an einer Schule nie als schnelle Lösung angesehen werden. Intelligent eingesetzt, können Tablets enorme Vorteile bieten: Sie machen Technologie einem größeren Kreis von Schülern zugänglich, verbessern grundlegende Fähigkeiten und begeistern auch jene Schüler, die sonst schwer zu erreichen sind.

Einsatzmöglichkeiten von Tablets im Klassenzimmer (Desktop)

Allerdings kommt es bei ihrem Einsatz auch immer zur versteckten Forderung nach Überwachung und Management und sie können ebenso motivierend wie ablenkend sein. Zudem bedarf ihre Nutzung einer entsprechenden Vorbereitung. Bei der Auswahl geeigneter Tablets sollte man nicht einfach zum billigsten oder populärsten Exemplar greifen, sie verteilen und auf das Beste hoffen.

Vielmehr sollten Sie eine Strategie ausarbeiten, umfassend recherchieren und dann sicherstellen, dass Sie die richtige Hardware, Software, Dienste und Unterstützung haben. Vor allem müssen Sie Ihre Ziele definieren. Was wollen Sie erreichen? Wie könnten Tablets Ihnen dabei helfen?

Wie passen sie in die vorhandene Technologie der Schule oder Hochschule und zur Zukunftsvision der Institution? Planen Sie den Einsatz einer „1:1 Device“- oder „Bring Your Own Device“-Initiative, oder wollen Sie einfach eine Tablet-Flotte zur gemeinsamen Benutzung verteilen? Mit welchen Altersgruppen wollen Sie arbeiten und welche Art von Arbeit müssen die Tablets unterstützen? Tendieren Sie eher zu „Flipped Classroom“-Strategien, zu kooperativem Lernen oder möchten Sie cloudbasierte Dienste nutzen?

Grundlegene Überlegungen zu diesen Fragen werden Ihnen dabei helfen, Ihre Auswahl einzugrenzen und sich darauf zu konzentrieren, welche Art von Tablet Sie suchen – und sogar um festzustellen, ob ein Tablet wirklich die beste Lösung ist.

Windows, iOS oder Android?

Die Software ist bei Tablets ungemein wichtig. Die drei wichtigsten Betriebssysteme haben alle ihre eigenen Ökosysteme und Bildungsprogramme, die Sie vielleicht nutzen wollen oder auch nicht. Im Bildungssektor ist iOS eine ungemein beliebte Wahl.

Die iPad-Palette bietet Ihnen hervorragende Geräte und Zugang zum besten App-Ökosystem. Die meisten Benutzer, Lehrer ebenso wie Schüler, sind mit iPads vertraut und können sie problemlos bedienen. Viele Apps für die Klassenzimmerüberwachung und das Gerätemanagement unterstützen iOS-Tablets, denn die Management-Tools von Apple sind robust und sehr durchdacht.

Der Nachteil ist, dass Sie an einen Hersteller gebunden sind. Die Unterstützung für webbasierte Technologien und Dienste ist nicht ideal und die Geräte selbst sind teuer. Darüber hinaus sind iOS-Geräte so konzipiert, dass sie nur von einem Benutzer verwendet werden, was zu Problemen führen kann, wenn nicht jeder einzelne Schüler eines zugeteilt bekommt. Android holt schnell auf. Es gibt nicht so viele hervorragende Bildungs-Apps wie auf iOS, doch es gibt mehr als genug und Android lässt sich gut mit Googles eigenen Apps und Diensten verbinden.

Durch die Wahl von Android gewinnt man an Flexibilität. Es steht Ihnen eine große Auswahl an großartigen Geräten von verschiedenen Herstellern zur Verfügung, Sie sind nicht an einen spezifischen Gerätehersteller gebunden und die Geräte können recht erschwinglich sein. Android-Geräte können mehrere Benutzerprofile unterstützen, was ideal ist, wenn Schüler sie gemeinsam nutzen müssen, und die Google-Initiative „Play for Education“ macht es leichter, tolle, auf Bildung fokussierte Apps zu finden.

Android reift als Plattform wunderbar heran. Windows 8.1 ist eine weitere gute Wahl. Sie bekommen ein leistungsstarkes, funktionsreiches und leicht zu benutzendes Tablet-Betriebssystem mit vielen der Vorteile, die Android bietet, einschließlich Mehrfachprofil-Unterstützung, einer Auswahl an Herstellern und äußerst wettbewerbsfähigen Preisen.

Zweifelsohne hat Windows das schlechteste Bildungs-App-Sortiment, aber das ändert sich langsam und die Geräte sind mit den aktuellen Windows-Apps und dem gesamten Spektrum der webbasierten Ressourcen kompatibel. Das sind gute Nachrichten, solange zur Bedienung weder Maus noch Tastatur erforderlich sind. Außerdem gibt es einige hervorragende Windows-Geräte auf dem Markt, u. a. flexible Hybrid-Formfaktoren, die sich ausgezeichnet für den Einsatz an Schulen eignen.

Wählen Sie Ihren Formfaktor

Nach der Software sollten Sie sich Gedanken über die Hardware machen. Generell lassen sich Tablets unterteilen in solche mit einem kleinen Bildschirm (7-8 Zoll) und jene mit einem größeren Bildschirm (8,9-10,8 Zoll), wobei es auch einige mit übergroßen Bildschirmen von 12 Zoll und mehr gibt.

Kleinbildschirm-Tablets sind meist billig, leicht und perfekt in Situationen, in welchen Schüler mit gebrauchsfertigem Inhalt interagieren, der für die Anzeige auf einem kleineren Display entwickelt wurde. Sie reichen nicht aus, wenn es um kreativere oder produktivitätsorientiertere Aufgaben geht, wo ein größerer Bildschirm mit mehr Platz für eine Onscreen-Tastatur ein echtes Plus ist.

Das kann die Mehrkosten und das Gewicht eines größeren Gerätes wettmachen. Es lohnt sich auch, das Angebot an „Convertibles“ zu untersuchen. Viele Hersteller – darunter HP, Asus, Lenovo und Dell – bieten Windows- oder Android-Hybridgeräte an, wobei sich das Tablet in einen Laptop und umgekehrt verwandeln lässt. Dabei ist der Bildschirm entweder flach an der Tastatur angeordnet oder eine separate Tastatur wird über einen Schlitz im Tablet eingedockt.

Convertibles können Ihnen das Beste aus beiden Welten bieten, weil sie ebenso als Tablet für Apps und einfache Touch-Anwendungen geeignet sind wie als Laptop für die fokussierte Projektarbeit. Die meisten Tablets verfügen allerdings über eine einfache, billige Bluetooth-Tastatur, wogegen einige bildungsspezifische Tablets, darunter das Pro Tablet 10 EE und das Pro Slate 10 EE von HP, von einer optionalen Tastaturbasis unterstützt werden, die effizient das Gleiche tut. Nicht alle Tablets sind nach dem gleichen Standard gebaut und für eine intensive Nutzung wie an Schulen ausgelegt.

Es besteht stets das Risiko, dass sich das 100-Euro-Billiggerät, das Sie heute kaufen, innerhalb weniger Wochen nach Ablauf der Garantiezeit als finanzielle Fehlentscheidung erweist. Deshalb ist es immer gut, ein potenzielles Kaufobjekt in die Hand zu nehmen, damit man ein Gefühl dafür bekommt, wie gut es gebaut ist und ob der Bildschirm, das Gehäuse und die Anschlüsse länger als sechs Monate halten.

Ein gewisses Maß an Robustheit muss nicht mehr die Welt kosten, während ein ordentliches Gehäuse oder eine zweite Hülle eine kluge Investition sein können, wenn das Gerät keinen sehr robusten Eindruck macht.

Bildschirme, Geschwindigkeiten und Akkulaufzeit

Bei einem Tablet ist der Bildschirm mehr als nur ein Display – er ist das primäre Interaktionsmedium. Sie können die Beleuchtung nicht in allen Schulumgebungen kontrollieren. Daher ist ein heller Bildschirm, der sowohl im Dunklen wie auch im mäßigen Tageslicht gut ablesbar ist, eine gute Investition.

Eine hohe Auflösung ist ein Bonus, wenn auch nicht ganz so kritisch, während ein empfindlicher und reaktionsschneller Touch-Screen ein Muss ist. Im Klassenzimmer ist eine hohe Lautstärke nicht unbedingt von Vorteil, aber Lautsprecher mit einem gewissen Grad an Wärme und Reichweite sind bei einigen Anwendungen sehr hilfreich und eine gut platzierte Kopfhörerbuchse macht das Gerät vielseitiger einsetzbar.

In Sachen Leistung konkurrieren die schnellsten Tablets mittlerweile mit den Laptops der unteren Preisklasse – und einige wie die Surface Pro-Serie von Microsoft übertreffen diese sogar. Die Rohgeschwindigkeit ist nicht mehr das A und O für Schulen und ein Quad-Core-Prozessor von ARM oder Intel Atom hat das entsprechende Leistungsvermögen zur Nutzung der meisten Schul-Apps auf Android- oder Windows-Geräten. Heute strapazieren nur noch Spiele in Konsolenqualität und anspruchsvolle Grafik- oder Videoanwendungen die schnellsten Prozessoren.

Erstere sind auf Ihren Klassenzimmer-Tablets wahrscheinlich nicht erwünscht und falls Sie den Einsatz für Grafik- oder Videoanwendungen planen, sollten Sie eher Laptops oder Convertibles in Erwägung ziehen. Akkulaufzeit und Konnektivität sind weitere Schlüsselfaktoren.

In Bezug auf Akkulaufzeit wird man kaum noch Tablets finden, die nicht den gesamten Schultag durchhalten. Bei den aktuellen Modellen reicht das Aufladen über Nacht, sofern man nicht ständig anspruchsvolle Apps laufen lässt. Hinsichtlich der Konnektivität tragen Micro- oder Full-Size-USB-Anschlüsse zu vielfältigeren Möglichkeiten bei, insbesondere bei den Windows-Modellen, wobei beliebige Display-Ausgänge dann hilfreich sein können, wenn Sie ein Tablet mit einem TV-Gerät, einem Monitor oder einem Projektor verbinden möchten, um etwas darzustellen oder um die Arbeit eines Schülers vorzustellen.

Sorgfältige Vorbereitung

Die Auswahl des Tablets ist nur ein Teil einer erfolgreichen Implementierung. Zu viele Schulen geben ganze Tablet-Flotten heraus, ohne darüber nachzudenken, ob ihre vorhandene Netzwerkinfrastruktur die neue Belastung überhaupt bewältigen kann. Daher ist es mitunter angebracht, das Netzwerk und die Klassenzimmer mit neuen Switches und drahtlosen Acces Points auszustatten.

Einige Schulen werden vermutlich von einer hauptsächlich auf Ethernet basierenden Umgebung zu einer Umgebung migrieren, in der drahtloser Zugang die Norm ist, während sich Tablets aus Verwaltungs-, Softwareinstallations- und Aktualisierungsgründen häufig mit cloudbasierten Online-Diensten verbinden müssen.

Es ist daher unerlässlich sicherzustellen, dass Ihre Schule über ausreichende Konnektivität verfügt, sowohl drahtlos innerhalb des Klassenzimmers als auch zum WAN außerhalb. Darüber hinaus benötigen Sie effiziente MDM-Tools (Mobile Device Management). Hier haben Sie die Wahl zwischen Tools von Drittanbietern, wie beispielsweise Absolute Manage, VMware AirWatch und Lightspeed Mobile Manager, und den in der Grundausstattung enthaltenen Tools. Zum Beispiel hat Apple MDM-Tools in iOS, OS X- und OS X-Server integriert, was die Unterstützung von iPads mit anderer Hardware von Apple erleichtert. Android hat nun MDM integriert und arbeitet mit den cloudbasierten Tools von Google.

Die wenigen Tablets, die von der Initiative „Google Play for Education“ unterstützt werden, gehen noch einen Schritt weiter: Lehrer und Admins können die Tablets der Schüler durch das „Anzapfen“ ihrer eigenen Tablets einrichten, wobei Netzwerkeinstellungen, Apps und Einschränkungen über NFC übertragen werden. Windows-Tablets sind vollständig kompatibel mit Windows Server 2012 R2, von Microsoft Intune gar nicht erst zu reden. Lösungen von Drittanbietern sind sinnvoll, wenn Sie über mehrere Plattformen hinweg arbeiten. Ihre Schule kann aber möglicherweise auch mit kostenlosen oder vorhandenen Anwendungen arbeiten.

Apps im Unterricht

Ein Tablet allein trägt nichts zur Bildung von Schülern bei: Es sind die Apps, die inspirieren und das Lernen fördern. Manche Schulen machen den Fehler, sich nur auf den Bildungsinhalt zu konzentrieren, ohne zu prüfen, wie sich allgemeinere Apps nützlich einsetzen lassen.

Audio-, Fotografie-, Produktivitäts-, Animations-, Quiz- und Screencasting-Apps können alle dazu benutzt werden, ein breites Spektrum von Themen zu unterstützen, vor allem wenn Sie daran interessiert sind, einen aktiveren oder kooperativeren Lehransatz zu fördern. Wie bereits erwähnt, kann auch die neue Initiative „Google Play for Education“ richtungsweisend sein, wobei vorhandene webbasierte Ressourcen ebenso wirksam auf Tablets wie auf Laptops genutzt werden können – vor allem dann, wenn Tastatureingaben auf ein Minimum beschränkt sind und die Apps den HTML5-Standard anstelle von Adobe Flash nutzen.

Allerdings steht eine entsprechende Schulung an erster Stelle. Beim Einsatz von Tablets im Klassenzimmer geht es nicht nur um das Verteilen von Geräten, sondern auch darum, dass die Lehrer hinsichtlich deren Anwendung geschult werden. Das bedeutet, man muss ihnen helfen, die Technologie in den Griff zu bekommen, und erklären, wie sie das Beste daraus machen können.

Finden Sie heraus, was funktioniert, und tauschen Sie bewährte Methoden untereinander aus. Sehen Sie sich bei anderen Schulen nach Ideen um oder besuchen Sie Lehrerkonferenzen und Community-Veranstaltungen. Eventuell lernen Sie neue Tricks und Tipps, die nicht nur Ihren Umgang mit dem Tablet verändern, sondern auch die Ergebnisse für Ihre Schüler.

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