Deutschlands Digitalwirtschaft ist nur Mittelmaß

18. November 2015

2 Min. Lesezeit

Die deutsche Digitalwirtschaft ist im internationalen Vergleich nur Durchschnitt. Auch in den weiteren Branchen ist die Digitalisierung noch nicht ganz angekommen. Schuld daran hat auch die Politik.

Deutschlands Digitalwirtschaft ist nur Mittelmaß (Desktop)

Die Digitalwirtschaft in Deutschland ist weiterhin im internationalen Vergleich nur Mittelmaß. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von TNS Infratest und dem ZEW Mannheim für das Bundeswirtschaftsministerium, die Staatssekretär Matthias Machnig am Freitag vorgestellt hat.

Demnach liegen Deutschlands Informations- und Kommunikationstechnologiebranche (IKT) sowie die deutsche Internetwirtschaft wie auch schon in der vorangegangen Studie nur auf Platz 6 von zehn untersuchten Ländern. Spitzenreiter bei der Digitalwirtschaft sind die USA, gefolgt von Südkorea, Großbritannien, China, das einen großen Fortschrittssprung gemacht hat, und Japan.

Die Forscher machen für das schlechte Abschneiden der deutschen Digitalwirtschaft auch das langsame Digitalisierungstempo verantwortlich.

Tatsächlich hatte sich die Bundesregierung mit ihrer „Digitalen Agenda“ große Ziele gesetzt. Passiert ist seitdem jedoch nicht viel. Unter anderem das neue Wagniskapitalgesetz, auf das die Start-up-Branche sehnsüchtig wartet, kommt nur schleppend voran. Bisher haben sich das zuständige Bundeswirtschaftsministerium und das Bundesfinanzministerium gerade einmal mühsam auf ein Eckpunktepapier einigen können. Aus Regierungskreisen heißt es, das Bundesfinanzministerium bremse den Prozess. Denn verbesserte Bedingungen für Kapitalgeber wie Venture Capital-Firmen oder Business Angels würde dem Fiskus zunächst weniger Geld in die Kasse spülen.

Dass jedoch dringend Bedarf besteht, die Bedingungen für die Start-up-Branche zu verbessern, zeigt ein weiterer Befunde der Studie. Demnach wurden im Jahr 2014 nur 6 700 Unternehmen im IKT-Bereich neu gegründet. Damit stagniert die Zahl der Neugründungen zwar zumindest (in den vier Jahren zuvor war sie gefallen). Jedoch wurden damit so wenig Unternehmen gegründet wie zuletzt im Jahr 2002. Von dem im Koalitionsvertrag vereinbarten Ziel „wir möchten einen neuen Gründungsgeist in Deutschland wecken“ sind die Regierungsparteien noch weit entfernt.

Digitalisierung der gewerblichen Wirtschaft unterdurchschnittlich

Dabei spielen die innovativen Impulse der jungen Unternehmen eine große Rolle bei der Digitalisierung Deutschlands.

Als Grund für die verhaltenen Gründungen gelten auch die vergleichsweise schlechten Finanzierungsbedingungen vor allem in der Wachstumsphase der Start-ups. Deutsche Existenzgründer klagen seit langem über den Mangel an Geldern, mit denen sie ihr Unternehmen finanzieren können, wenn es aus den Anfängen raus ist. Die Zahl der Unternehmen, die in Deutschland Wagniskapital nutzen konnten, ist in den vergangenen Jahren fast kontinuierlich gesunken und das verfügbare Kapital stellt nur einen Bruchteil dessen dar, was in den USA im selben Jahr flossen.

Eine weitere deutliche Schwäche, die die Forscher der Studie ausgemacht haben, ist die deutsche Netzinfrastruktur. Der Breitbandausbau kommt in Deutschland nur schleppend voran.

Auch die Bürger haben einen Anteil daran, dass die Digitalwirtschaft im internationalen Vergleich so schlecht da steht. Bei der Nutzung von E-Learning-Angeboten oder Angeboten der Digitalen Verwaltung (E-Government) etwa belegt Deutschland von den 10 untersuchten Nationen nur den achten Platz. Dass die Deutschen auch bei neuen Diensten zurückhaltend sind, zeigte eine Studie der Initiative D21 für das BMWI bereits Anfang der Woche.

Die neue Studie untersuchte auch, wie digitalisiert die jeweiligen Branchen sind. Dabei schneidet vor allem die Gesundheitswirtschaft unterdurchschnittlich ab, sie erreicht nur 36 von 100 möglichen Punkten. Die als überdurchschnittlich digitalisiert identifizierten Finanz- und Versicherungsdienstleister erreichen dagegen 59 Punkte. „Im Gesundheitswesen liegt bei der Digitalisierung noch gewaltiges Potenzial“, sagt Staatsekretär Machnig.

Der Digitalisierungsgrad im Dienstleistungsbereich ist laut den Ergebnissen der Forscher höher als im verarbeitenden Gewerbe. Während die Dienstleister 51 Punkte erreichen, sei der Digitalisierungsgrad des verarbeitenden Gewerbes mit nur 37 Indexpunkten unterdurchschnittlich. Die Forscher erwarten jedoch, dass die Digitalisierung in dieser Branche bis 2020 „stark verbessern“ wird.

Vor allem auf dem Bereich Industrie 4.0 liegen große Hoffnungen. Das Thema komme langsam bei den Unternehmen an, meint Machnig. Nur sieben Prozent der deutschen Unternehmen haben noch keine internen Prozesse digitalisiert.

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