Deine Waschmaschine, unser Auto, mein iPhone

29. Februar 2016

2 Min. Lesezeit

Auslaufmodell Eigentum? Mehr als die Hälfte der Deutschen würde teure Produkte wie ein Auto oder eine Waschmaschine auch bei Bedarf und gegen Gebühr leihen, statt sie sich zu kaufen.

Besitzen Sie noch oder teilen Sie schon? Immer mehr Deutsche können sich vorstellen, teure Produkte wie ein Auto, eine Waschmaschine oder einen Trockner künftig nicht mehr zu kaufen - sofern es eine bequeme und sichere Möglichkeit gibt, die Dinge stattdessen gehen eine Leihgebühr anlassbezogen zu nutzen. Das ergibt eine neue repräsentative Umfrage unter 1000 erwachsenen Deutschen im Auftrag des US-Softwarehauses Zuora, die der WirtschaftsWoche exklusiv vorliegt.

Für 58 Prozent der Deutschen steht demnach bei teuren Anschaffungen wie Auto, Haus oder Wohnung, Waschmaschine oder Musikanlage nicht mehr das Eigentum im Vordergrund, sondern der Nutzen, den diese Produkte für sie stiften. Fast 35 Prozent der Deutschen meinen demnach, dass Eigentum eine „echte Bürde“ sein kann, wenn zu viele Verpflichtungen damit verbunden sind.

13 Prozent gaben in der Umfrage an, sich nur deshalb noch kein Auto gekauft zu haben, weil dieses mit zu viel Arbeit wie Reparaturen oder Service-Terminen verbunden sei. Ein Viertel der Deutschen würde sich zudem wünschen, dass Autofirmen Aufgaben wie Reparaturen, Service und Instandhaltung komplett übernehmen.

Ein Drittel würde keinen Wäschetrockner mehr kaufen

Etwa ein Drittel der Befragten sagt, in Zukunft generell weniger Dinge kaufen zu wollen, wenn es eine so genannte Pay-per-Use-Alternative gebe: Also das Leihen je nach Bedarf gegen eine einmalige Gebühr. 20 Prozent behaupteten in der Befragung sogar, überhaupt keine Produkte mehr kaufen zu wollen, wenn es immer die Möglichkeit der punktuellen Nutzung gegen Bezahlung gäbe.

Bei vergleichsweise teuren Dingen, die nur sporadisch gebraucht werden, wie etwa einer Bohrmaschine, einem Aufsitzrasenmäher oder einem Freizeitboot, ist die Bereitschaft, auf den Besitz zu verzichten, logischerweise am größten. So gaben 28 Prozent der Befragten an, einen Wäschetrockner nicht unbedingt besitzen zu müssen. Dagegen waren es beim Computer nur gut 8 Prozent, die sich ein Leihgerät statt des eigenen Rechners vorstellen können. Immerhin ein Fünftel könnte sich den Verzicht auf ein eigenes Auto vorstellen.

Viele bereuen den Kauf einer teuren Kamera

Auf die Frage, den Kauf welcher Produktgattung sie schon einmal bereut hätten, da er teuer war und das Produkt nur sehr selten genutzt werde, antworteten die meisten der 1000 Befragten mit „teure Digitalkamera“ (29 Prozent), gefolgt von Spielekonsole und Abendkleid/Smoking sowie Tablet-PC.

Eine emotionale Bindung haben die Deutschen laut Umfrage nur noch zu wenigen Dingen. 40 Prozent hängen an ihrem Auto, ähnlich vielen ist der persönliche Besitz ihres Smartphones (39,8 Prozent) oder Computers (36 Prozent) sehr wichtig. Ein Haus, eine Wohnung und ein TV-Gerät nicht nur zu mieten, sondern zu besitzen, ist für jeweils 20 Prozent wichtig.

Viele Marktlücken für Start-ups

Der Initiator der Umfrage, Zuora, ein Softwarespezialist für Abo-Dienste aus dem Silicon Valley, erwartet, dass durch die Vernetzung von Geräten und die Digitalisierung von Diensten in den kommenden Jahren viele neue Geschäftsmodelle entstehen werden, die ein deutlich größeres Angebot an Leihdiensten schaffen werden.

Derzeit beschränkt sich die so genannte Share Economy im wesentlichen noch auf Car Sharing in Großstädten oder Übernachtungsmöglichkeiten wie AirBnB. „Gründer sollten sich überlegen, ob ihnen nicht neue Geschäftsmodelle beispielsweise rund um vernetzte Wäschetrockner, Leih-Maschinen oder Musikanlagen einfallen“, sagt Mathias Büttner, Marketingchef von Zuora Deutschland.

Erfolgreiche neue Unternehmen wie Netflix oder Spotify, Angebote wie DriveNow und AirBnB oder auch Abo-Dienste wie Outfittery oder Glossybox hätten nämlich eines gemeinsam, so Büttner: „Die Kunden zahlen nur noch für das, was sie haben wollen: den Produktnutzen, nicht mehr für das physische Produkt. Mit dem Entstehen des Internets der Dinge werden wir noch viele weitere solche Abo-Angebote sehen.“

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