Cloudcomputing: Unterwegs zwischen zwei Welten

12. November 2015

2 Min. Lesezeit

Die Kombination von externen und internen Rechenzentren erweitert die Möglichkeiten im Betrieb - und kann den Kundenservice verbessern. Doch es ist auch ein durchaus kompliziertes Zusammenspiel und birgt Risiken.

Cloudcomputing: Unterwegs zwischen zwei Welten (Desktop)

Köln Kaputte Heizung, defekte Fenster: Solche handfesten Probleme bearbeiten einige Wohnungsverwaltungen mittlerweile digital. Über eine Software wird bei einer Schadensmeldung direkt der Handwerker beauftragt - nach der Reparatur erfolgt automatisch die Abrechnung. Rechnungen von über 800 Millionen Euro hat so im vergangenen Jahr der Mainzer IT-Dienstleister Aareon abgewickelt, der auf die Wohnungswirtschaft spezialisiert ist.

Ob Schadensportal oder Mieterinformation: Die digitalen Zusatzleistungen für mehr Komfort werden häufig schon in der Cloud bereitgestellt. Dagegen laufen Software und Daten zur alltäglichen Unternehmenssteuerung in der Wohnungswirtschaft oft auch noch traditionell in den firmeneigenen Rechenzentren - ein durchaus kompliziertes Zusammenspiel.

Die Mischung von virtuellen und realen Servern und Rechenkapazitäten beschäftigt intensiv auch die IT-Verantwortlichen anderer Branchen. Zwei Drittel der deutschen Cloud-Nutzer setzen laut einer aktuellen Cisco-Studie auf eine sogenannte hybride Lösung. 47 Prozent verbinden damit die Hoffnung auf eine signifikante Umsatzsteigerung.

Doch das ist kein Selbstläufer: „Durch die Kombination steigt die Komplexität, die IT-Infrastruktur wird nicht einfacher - man benötigt dafür Lösungen“, sagt Lars Göbel, Vertriebsleiter beim Darmstädter IT-Service-Anbieter und Rechenzentrumsbetreiber Darz. Auch explizite Dienstleister für Cloud-Lösungen kämpfen nicht mehr für eine komplette Verlagerung in die Datenwolke, sondern propagieren mittlerweile die Mischlösung. Wo Systeme seit Jahren mit konstanter Auslastung gute Leistung vollbringen, ist ein permanentes Rechenzentrum meist die wirtschaftlichere Lösung.

Für neue Applikationen, zusätzliche Aufgaben oder bei Kapazitätsspitzen kann die Cloud dagegen ihre Vorteile voll ausspielen. „Häufig nachgefragte Einsatzszenarien sind die Datensicherung über die Cloud statt über redundante Rechenzentren und die IT-Unterstützung bei der Expansion ins Ausland“, sagt Matthias Schorer, der beim Cloud-Dienstleister VMWare in Zentraleuropa für Strategieberatung verantwortlich ist.

Wie also gelingt es, die alten und neuen Welten geschickt zu verbinden? Die Ziele: Wechsel aus Kapazitäts- oder Datenschutzgründen sollten jederzeit möglich sein. Arbeitsaufwand für Makeln sollte im Alltag nicht entstehen.

Die Demokratisierung der IT

Damit das funktioniert, legen die Anbieter immer mehr Wert auf ein einfaches technisches Management. Per Mausklick lassen sich in vielen Portalen schon Programme und Daten von einem Rechenzentrum ins andere verschieben - wie in einem Explorer auf dem privaten PC. Die Ortswahl orientiert sich an der Aufgabe: Finanzdaten bleiben aus Sicherheitsgründen auf dem eigenen Server, einige Kundendaten werden auf eine virtuelle Maschine ausgelagert - aus Datenschutzgründen in einem deutschen Rechenzentrum. Für eine komplexe Berechnung hingegen geht es nur um Rechenkraft - der Ort ist zweitrangig.

Immer unbedeutender wird, welcher Anbieter hinter den gemakelten Lösungen steht. Um hybrides Arbeiten zu ermöglichen, wurde im Hintergrund viel an Schnittstellen gearbeitet. „Wir wollen das möglichst flexibel für die Kunden unterstützen, weil das die Realität da draußen ist“, sagt Schorer.

Entscheider in Unternehmen müssten sich bewusster machen, welche Anforderungen sie eigentlich an verschiedene IT-Lösungen stellen, sagt Göbel. Wie oft werden welche Daten an welcher Position im Unternehmen benötigt? Welche Bedeutung haben sie für das Geschäft? Ausgehend von diesen Überlegungen lassen sich dann die konkreten Speicherorte und - modelle festlegen.

Einfache Bedienung, freie Anbieterauswahl, Wirtschaftlichkeit - wer diese Eckpunkte berücksichtigt, kann eine hybride Cloud-Architektur zusammenbasteln. Der Blick auf Details ist wichtig: So rechnet sich eine sehr günstige Cloud-Lösung plötzlich nicht mehr, wenn sie permanent Daten mit den lokalen Servern austauschen muss - und die genutzte Bandbreite so schnell ins Geld geht.

„Es findet eine Demokratisierung der IT statt“, sagt Dinko Eror, Vice President Global Services beim Speicher-Konzern EMC. Die Anbieter selbst gehen dabei immer wieder neue Allianzen ein. EMC und Dimension Data etwa verkündeten vor wenigen Wochen die „Catalyst Alliance“, um die Hybrid Cloud für den Mittelstand attraktiver zu machen. Cisco hat über 30 Partner rund um seine „Intercloud“ geschart, um das Angebot an hybriden Lösungen zu erweitern.