Women im E-Commerce - „Wir wollen das Ungreifbare greifbar machen“

6. Oktober 2015

4 Min. Lesezeit

Wer nicht weiß, welche Optionen die Tech-Branche eigentlich bietet, kann sich auch nicht dafür entscheiden – sagt die Initiatorin der neuen Initiative Women in E-Commerce Tijen Onaran. Wie sie Frauen motivieren will.

Women im E-Commerce - „Wir wollen das Ungreifbare greifbar machen“ (Desktop)

Tijen Onaran ist seit 2014 Leiterin Kommunikation beim Händlerbund, dem laut eigenen Angaben größten europäischen Onlinehandelsverband. Dort hat sie die Initiative Women in E-Commerce (WIE) ins Leben gerufen, die Frauen aus der Branche sichtbar machen und vernetzen will. Im Interview spricht sie über die Pläne des neuen Netzwerkes, Herausforderungen für Frauen in der Tech-Branche und die Frage, ob Frauen anders gründen als Männer.

Frau Onaran, Sie haben uns über Twitter auf das neue Netzwerk Women in E-Commerce (WIE) aufmerksam gemacht, das Sie mit dem Händlerbund initiiert haben. Was möchten Sie konkret mit der Initiative erreichen?

Sie soll Frauen im E-Commerce sichtbar machen. Die Branche ist innovativ und vielseitig und von spannenden Frauen geprägt, die sie gestalten. Ihnen Raum zum Austausch, zur Vernetzung und zur Kooperation zu geben, das will „WIE“. Dabei soll die Initiative nicht mit strengen Ausrufezeichen daherkommen, sondern entspannt inspirieren und motivieren sich im E-Commerce zu verwirklichen.

Wie ist die Idee zu „WIE“ entstanden – und wie ist es Ihnen gelungen, den Händlerbund davon zu überzeugen?

Als ich 2014 beim Händlerbund anfing, habe ich relativ schnell gemerkt, wie spannend die E-Commerce Branche ist und was für inspirierende Frauen es hier gibt. Daraus ergab sich dann die Idee, eine Plattform zu schaffen. Und als ich dann den Verantwortlichen davon erzählte, waren sie ziemlich schnell begeistert, weil es auch dort natürlich viele engagierte Frauen gibt, die die Idee von „WIE“ unterstützen.

Kritiker merken an, dass es auf der neuen Seite bislang nur um das Thema Gründen geht und Frauen ihre Geschäftsideen präsentieren.

Die Page ist und war der erste Schritt, um überhaupt auf die Initiative und insbesondere die spannenden Frauen aufmerksam zu machen. Es geht um sie und ihre Geschichten. Darum, warum sie sich entschieden haben, im E-Commerce zu gestalten.

Müssten denn nicht nur Gründerinnen, sondern auch alle im E-Commerce tätigen Frauen angesprochen werden? Es gibt schließlich viele spannende Themen in dem Bereich, wie beispielsweise Gender Commerce…

Wer sich die Seite anschaut, wird feststellen, dass es neben den Gründerinnen auch Vertreterinnen gibt, die nicht gegründet haben, dafür aber in spannenden Positionen bei Unternehmen oder Institutionen arbeiten. Themen wie Gender Commerce, aber auch Female Leadership und viele weitere werden wir mit „WIE“ begleiten und es wird auch deutlich werden, dass sich die Initiative durch die Vielfalt an unterschiedlichen Frauen auszeichnet. Es ist noch viel geplant, aber wenn ich jetzt den Masterplan für die nächsten Jahre verraten würde, wäre es ja in Zukunft wirklich sehr unspannend.

Wo wollen Sie denn mittelfristig mit der Plattform hin?

Die nächsten Schritte für WIE werden eine spannende Webpage mit umfassenden Informationen zur Initiative, zu Veranstaltungen und zu Plänen sein. Neben unserer Auftaktveranstaltung am 16. September in Berlin sind weitere Events in Hamburg, München, Köln und auch in Düsseldorf geplant.

Und was erwartet die Frauen dort?

Wir werden mit den Teilnehmerinnen diskutieren, wie sie gegründet haben und was sie dabei bewegt hat. Vor allem aber wird auch darüber gesprochen, ob es mal eine Einbahnstraße gab und wie die Frauen es da wieder raus geschafft haben.

Können Sie sich auch vorstellen, sich in politische Debatten einzumischen? Schließlich haben Sie ja auch schon Erfahrungen in der Politik gesammelt.

Wir wollen eine Sichtbarkeit für Frauen schaffen – wenn es um Sichtbarkeit(en) geht, geht es auch immer um Themen, die unsere Gesellschaft betreffen. Daher würde es mich natürlich auch freuen, wenn es gelingt, die Politik durch „WIE“ auf Herausforderungen für Frauen in der Branche aufmerksam zu machen, aber genau so auch auf Inspirationsquellen.

Wie würden Sie eine junge Frau für eine Karriere in der Tech-Branche motivieren? Die Abbrecherquoten in den entsprechenden Studiengängen sind ja seit Jahren richtig übel.

Indem ich sie mit unseren „WIE´s“ zusammenbringe. Plattformen für Austausch, Vernetzung und Inspiration helfen sicherlich, um das Ungreifbare greifbar zu machen. Wer nicht weiß, welche Optionen die Tech-Branche eigentlich bietet, kann sich auch nicht dafür entscheiden. Gerade eine Branche, wie die digitale ist darauf angewiesen, dass die Menschen, die sie prägen, nicht nur „online“ zusammenkommen, sondern eben auch „offline“. Nur so entstehen neue Ideen, nur so können junge Frauen sich inspirieren und motivieren lassen. Auch Mentoringprogramme helfen, um ein Gefühl für die Branche zu bekommen und zu erleben, ob die Zukunft da oder woanders liegt.

Gründen Frauen anders als Männer oder genauso gut und genauso schlecht?

Ich finde wir sollten uns nicht immer auf Vergleiche zwischen Frauen und Männern konzentrieren, sondern uns die individuellen (Lebens-)Geschichten anschauen. Wer sich entschließt zu gründen, setzt sich mit den Pro und Contra´s intensiv auseinander und dann geht es in die Umsetzung. Dabei spielt es doch keine Rolle in dem Moment, ob ich eine Frau oder ein Mann bin. Die Fragen rund um Finanzierung, Kapazitäten und die konkrete Verwirklichung der eigenen Idee, begleiten ja beide Geschlechter. Ich würde mich freuen, wenn wir irgendwann so weit sind, uns nicht über „das in Relation setzen“ Gedanken zu machen, sondern darüber, welche Rahmenbedingungen es geben muss, damit Gründerinnen und Gründer heute so unkompliziert wie möglich ihren Weg gehen können.

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